Hörfenster zur Neuen Musik im Holzhausenschlösschen

      

Als Beitrag zum jährlich stattfindenden „Tag der Musik“ stellte das Mutare-Ensemble auf Einladung des Landesmusikrats Hessen im Saal des Frankfurter Holzhausenschlösschens Musik aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor, an der exemplarisch hör- und spürbar wurde, auf welch vielfältige und eindringliche Weise die sogenannte Neue Musik sich uns heutigen Menschen wahrhaftig zuwendet, wie sie - mitnichten abgehoben -  unserer Erlebnis- und Wahrnehmungswelt höchst sympathisch nahekommen kann.

Schon der erste Klang des Konzerts, ein zwei Ellen breiter Toncluster des Flügels zum Einstieg in das 1978 entstandene Klaviertrio von Gerhard Müller-Hornbach, korrespondierte wie zum Zeichen mit dem Sommergewitter, das um das Wasserschlösschen herum donnerte.

Gerhard Müller-Hornbach führte selbst als Leiter des Mutare-Ensembles und Moderator durch den Abend und erläuterte die von Klaus Dreier, Klavier, Dirk Peppel, Querflöte, Johannes Blumenröther, Violine, und Susanne Müller-Hornbach, Violoncello, vorgetragenen Werke in ihrer Anlage und Intention und verdeutlichte sie durch Hinweise auf ihre Entstehungshintergründe.

Während zum Beispiel Luciano Berio in seiner hochvirtuosen „Sequenza I für Flöte solo“ von 1958 gestalterische Möglichkeiten des Instruments neu auslotete und sich dabei zugleich einer ähnlich spielerisch ausgelegten Musik barocker Solokompositionen erinnerte, erweitert Toru Takemitsu in „Orion für Violoncello und Klavier“ die europäische Klangästhetik und musikalische Zeitvorstellung durch Einflüsse aus ostasiatischer Kultur und Tradition. Die Offenheit für Impulse aus Jazz, Comic, Slapstick und die Hinterfragung herkömmlicher Musizierhaltungen kennzeichnet die Werke von Hans Ulrich Engelmann, dessen „mini-music für siegfried palm“ Susanne Müller-Hornbach effekt- und humorvoll am Solocello vortrug, und ebenso von John Cage in seinen Stücken für Toy-Pianos, die sowohl den Interpreten wie den Hörern neue Freiheiten schenken und ihnen ungeahnte Achtung entgegenbringen. Das Interesse der Zeitgenössischen Musik an Welt und Umwelt und die Bereitschaft, sich ihr künstlerisch zu widmen und sie gar in das musikalische Werk mit aufzunehmen oder im Moment des Erklingens zuzulassen und einzubeziehen, wurde hör- und nachvollziehbar in George Crumbs 1971 entstandenen klangmagischen Walgesängen „Vox Balaenae“ für modifiziert gespielte Flöte, Cello und präpariertes Klavier, in denen sich Natur, Phantasie, Sensibilität, Theatralik und Aktionskunst gegenseitig durchdringen.

Im klanglich wunderbar für diesen Abend geeigneten und den umgebenden Stadtpark optisch wie akustisch durch die Fenster aufnehmenden Saal des Holzhausenschlösschens wären noch einige Plätze frei gewesen für offene Hörer mit offenen Ohren.

Thomas Spahn, 20.06.16

Tag der Musik 2016

Der Tag der Musik 2016 findet vom 17. bis 19. Juni mit Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet statt (www.tag-der-musik.de). Der Landesmusikrat Hessen beteiligt sich jährlich mit einem musikalischen Schwerpunktthema zum bundeweiten Tag der Musik, den der Deutsche Musikrat im Jahr 2009 ins Leben gerufen hat.

Der Landesmusikrat Hessen widmet sich dieses Jahr dem Thema „Neue Musik“ und veranstaltet dazu ein Gesprächskonzert mit dem Mutare Ensemble.



Eintritt 10 €, ermäßigt 5€, Karten sind an der Abendkasse erhältlich oder können über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  vorbestellt werden.

Programm (Download PDF)

Liste der bisherigen Themen (Download PDF)

Informationen zum bundesweiten Tag der Musik unter www.tag-der-musik.de

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